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Monatsnotiz Oktober 2019

Mithilfe der Ente im Beitragsbild verdeutlichte uns Kerstin Mayrberger beim Einstieg in die Mediendidaktik das konstruktivistische Prinzip.

Rückblick

Nicht nur rückblickend merke ich, dass der Oktober ein ziemlich voller Monat war: Ich habe ein neues Projekt und damit einen neuen Vertrag begonnen, ich bin in ein neues Studium gestartet und ich bin umgezogen. Eigentlich kein Wunder, dass mein Körper mir mit einem grippalen Infekt zwischendurch eine kleine Zwangspause verordnete.

Studium

Die erste Woche des Monats verbrachte ich im schönen Hamburg, das wettermäßig seinem Ruf größtenteils gerecht wurde – bis auf einige herrliche Stunden goldenen Oktobers am Feiertag, die ich für einen kurzen Abstecher an den Elbstrand nutzen konnte.

Wie bereits in meiner letzten Monatsnotiz erwähnt, studiere ich seit diesem Semester den Master Higher Education an der Uni Hamburg. Das Konzept verbindet Präsenzphasen mit längeren Online- bzw. Selbststudiumsphasen, um ein berufsbegleitendes Studium zu ermöglichen. Ganz am Anfang stand eine 5-tägige Präsenzphase, die uns Gelegenheit gab, die Lehrenden und unsere Kommiliton*innen kennenzulernen und uns mit den organisatorischen Abläufen vertraut zu machen. Darüber hinaus gab es bereits eine ganze Menge Lernstoff im ersten Modul, welches Hochschuldidaktik und Mediendidaktik abdeckt. Ein Schwerpunkt des Studiums liegt darin, ein auf den Prinzipien des Design-Based Research (DBR) fundiertes Projekt umzusetzen. Am letzten Tag konnten wir einen Einblick erhalten, wie ein solches Projekt aussehen kann, als höhere Semester bei einer Projektkonferenz ihre Ergebnisse vorstellten.

Einige Inhalte und Fragestellungen waren mir bereits bekannt, vor allem im Bereich der Mediendidaktik, und auch mit dem Konzept des DBR habe ich mich als Leserin von Gabi Reinmanns Blog schon einmal beschäftigt; ich merke aber, dass ich gerade dort noch viel tiefer einsteigen muss. Momentan sträube ich mich ehrlich gesagt ein wenig dagegen, dass mir für das Projekt ein methodischer Rahmen vorgegeben wird – wahrscheinlich, weil mir noch die Vorstellungskraft fehlt, wie ich eine meiner unfertigen Projektideen darauf passend machen kann. Im Dezember wird es jedoch u. a. auch bei einer weiteren Präsenzphase genau darum gehen, welche Ideen sich zur Umsetzung im Rahmen des Projektstudiums eignen, und ich hoffe, dass ich spätestens dann meine Unsicherheiten und meine ablehnende Haltung überwinden kann.

Projekt openaccess.nrw

Am 1. Oktober startete das über die Digitale Hochschule NRW (DH.NRW) vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium geförderte Vorprojekt openaccess.nrw. Die FH Bielefeld übernimmt hierbei die Konsortialführerschaft, und ich bin als Projektkoordinatorin tätig. Momentan bedeutet das vor allem, Termine zu koordinieren und sich mit nicht funktionierenden Webkonferenz-Tools herumzuschlagen. Nebenbei arbeite ich mich tiefer in die Materie ein und lese über Transformationsrechnungen, die feineren Details der DEAL-Verträge, aber auch verschiedene Sichten auf Openness im allgemeinen nach. Einer der spannendsten Aspekte in diesem Projekt wird in meinen Augen sein, die vollkommen unterschiedlichen Anforderungen zu erfassen und zu adressieren: Unter den 42 Hochschulen in NRW finden sich Fachhochschulen, die das Wort Open Access auf ihrer Website nicht einmal erwähnen, publikationsstarke Universitäten mit einem breiten Spektrum an Disziplinen und Kunsthochschulen, für die ein Forschungsbeitrag eine Ausstellung sein kann – und alles mögliche dazwischen.

HFDcon

Am 21. nahm ich in Bonn am diesjährigen Netzwerktreffen des Hochschulforums Digitalisierung teil, das insgesamt einen gemischten Eindruck bei mir hinterließ. Natürlich war ich als Bonnerin ein bisschen stolz auf die tolle Location im ehemaligen Bundestag. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass sich die zahlreichen Teilnehmer*innen zu sehr verliefen und ich am Ende viele Menschen nicht gesehen, geschweige denn gesprochen habe, auf die ich mich vorher gefreut hatte. Dennoch gab es eine kleine Re-union mit vielen Gesichtern der HFD-Summer-School.

Sehr gut gefiel mir die Keynote der Digital Changemakers – manch gestandener Vortragende könnte sich eine Scheibe von dieser erfrischenden Art der Präsentation abschneiden. Besonders im Vergleich dazu wirkte die Podiumsdiskussion etwas fad. Das Format hätte ich mir grundsätzlich spannender vorstellen können, wenn die Moderation spritziger und vielleicht auch ein wenig frecher gewesen wäre. Diskussionsstoff bietet das Thema Datenschutz/-sicherheit doch eigentlich genug.

Denkstoff: You know nothing, card T-shirts

An Allerheiligen, auf dem Weg zur cambio-Station, begann ich schon einmal, mir Gedanken über diese Monatsnotiz zu machen. Mir ging auf, dass ich oft, wenn ich mit einem neuen Projekt oder einem neuen Arbeits- oder „Forschungs“thema beginne, einen deutlichen Anflug von Impostor Syndrome habe. Sobald ich anfange, mich in ein Thema tiefer einzuarbeiten, wird mir erst einmal klar, wie viel ich nicht weiß, während ich mich vorher, im Status glorreichen Halbwissens, für eine grandiose Expertin hielt. Ich weiß, das ist vermutlich eine ganz normale Lernkurve, und Dunning-Kruger und so fort – trotzdem erwischt es mich immer wieder. Ist vielleicht auch gut so.

Als ich nun also vor mich hin lief und nachdachte, fiel mir eine mögliche Überschrift für diesen Abschnitt ein, und ich bat mein englisches Siri, eine Notiz anzulegen: „You know nothing, Kati Schulz“. Wie gut Siri Deutsch kann, seht ihr oben. Ein weiteres schönes Beispiel hat es aus „Küchenrolle“ gemacht: „cushion the holler“. Ich schwöre, ich kann das CH richtig aussprechen, auch wenn ich im Rheinland aufgewachsen bin. Naja, selber schuld, wenn man prätentiös sein Handy auf Englisch einstellen muss. 😉 Vielleicht ist mein Siri in Wirklichkeit aber auch ein*e konkrete Poet*in.

Ein Schild, auf dem steht: "This table has been reserved for FCHULZ - thank you"
Ein weiteres Beispiel für die Kompatibilität meines Nachnamens mit der englischen Sprache.

Ausblick

Der November wird voraussichtlich weniger aufregend als der Oktober: Außer unserer eigenen E-Learning-Konferenz (mit Keynote von Markus Deimann) und der Campus Innovation stehen wohl keine Veranstaltungen für mich an. Die Teilnahme am Barcamp Lübeck muss ich mangels Urlaubstagen wahrscheinlich schon wieder canceln – irgendwie ist da der Wurm drin, bisher habe ich es noch nie geschafft.

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Zwei Strandkörbe mit der Aufschrift "SPO" auf einer Wiese, Abendhimmel mit Wolken

Es menschelt: ein Rückblick auf zwei ganz unterschiedliche Barcamps und ein bisschen allgemeine Barcampliebe

Im September besuchte ich nach längerer Barcamp-Pause gleich zwei sogenannte Unkonferenzen, die allerdings recht unterschiedliche Vertreter ihrer Art waren: das stARTcamp Hamburg meets HOOU und das Beachcamp Sankt Peter-Ording.

UnPodcast

Das Startcamp (wie ich es der Einfachheit halber nennen will, die Veranstalter*innen mögen mir verzeihen) wurde am Vorabend eingeläutet mit der Aufzeichnung eines UnPodcasts, bei dem jede*r – mehr oder weniger spontan – ein Thema einbringen konnte, über das er oder sie sieben Minuten mit dem Moderator Christian Friedrich sprechen wollte. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das Format schon öfter ausprobiert wurde, und ich bin auch nicht sicher, ob es immer aufgehen würde. Als Teilnehmerin befürchtete ich, dass es langweilig sein könnte, später die Aufnahme zu hören und dass nur wir vor Ort das Format als spannend erlebten. Tatsächlich sind jedoch ganz unterschiedliche Gespräche entstanden, die alle interessant und kurzweilig zu hören sind. Diese Art des Podcasts steht und fällt sicherlich nicht nur mit den Themen, die die Menschen mitbringen, sondern auch damit, wie gut der/die Moderator*in umschalten und auf unterschiedliche Menschen eingehen kann, aber ich würde mir dennoch wünschen, mehr solche Experimente zu hören oder daran teilzunehmen. Es scheint eine gute Ergänzung zu Konferenzen oder Barcamps, um den Themen mehr Raum zu geben, die die Teilnehmer*innen mitbringen und um ggf. auch schon vorher die Vernetzung zu unterstützen. Mir hat es dabei geholfen, eine Frage zu formulieren, die mich sicher weiterhin beschäftigen wird: Wie können sich die Open-Access- und OER-Communities besser vernetzen, und was können sie voneinander lernen? Ohne UnPodcast hätte sich vielleicht auch nicht der Kontakt zu Gabi Fahrenkrog ergeben, die sich genau dieser Frage schon länger widmet, sodass wir am nächsten Tag direkt eine Session dazu anboten.

stARTcamp Hamburg meets HOOU

Das Startcamp war in der Hinsicht ein etwas unübliches Barcamp, als dass schon lange vorab Sessionvorschläge eingereicht werden konnten und sich so bereits vorher eine Art Programm auf der Website bildete. Das war vielleicht sowohl für Barcamp-Neulinge als auch für alte Hasen verwirrend: Denn für ein „richtiges“ Programm fehlten die Zeit- und Raumangaben; und alle, die schon öfter auf Barcamps waren, wunderten sich, dass überhaupt vorab schon so detailliert geplant wurde, umso mehr, da auch noch eine Keynote und ein Workshop angekündigt wurden.

Letzten Endes waren dies jedoch nur milde Irritationen, die sich am Tag selbst schnell auflösten, da die Veranstalter*innen das Format und die etwas ungewöhnlichen Abweichungen ausführlich erklärten. Für die Besucher*innen, die sich aus sehr unterschiedlichen Bereichen rekrutierten, und von denen größere Teile keine Barcamp-Erfahrung hatten, waren die Formate sicherlich gut gewählt. Besonders der Einstieg mit einer Keynote sammelte das Publikum im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Martin Zierold vom Institut für Kultur- und Medienmanagement schaffte es in seinem Vortrag, dem hohen Anspruch einer „Inspirational Keynote“ gerecht zu werden und gab einige Impulse, wie Kunst und Wissenschaft zur Lösung der ganz großen Fragen beitragen können: Wer sind wir? Wie wollen wir zusammenleben? Da ich mit meinem Rückblick recht spät dran bin, kann ich auf dieses Video hinweisen, das gerade erschienen ist und das einige der Punkte aus Zierolds Keynote aufgreift.

Der Sessionplan stellte sich dann so divers dar wie die Teilgebenden, und an einigen Stellen prallten sehr unterschiedliche Erfahrungswelten aufeinander. Ich bin z. B. mitunter fast schockiert, wie Mediennutzung, Lehren und Lernen mit digitalen Medien sowie Fragen des Datenschutzes außerhalb meiner FilterblaseTM gesehen werden. Umso wichtiger finde ich es, immer wieder mit anderen Sichtweisen konfrontiert zu werden und nicht immer nur im eigenen Saft zu köcheln – auch auf Twitter.

Beachcamp Sankt Peter-Ording

Das Beachcamp war 2015 mein erstes Barcamp, und es hat für mich den Standard gesetzt, was solche Veranstaltungen angeht. Das ist insofern etwas unfair, als auch dieses kein besonders typisches Barcamp ist. Es ist mit rund 70 Besucher*innen recht klein, es erstreckt sich i. d. R. von Donnerstagabend bis Samstagabend und die meisten Teilnehmer*innen übernachten direkt am Veranstaltungsort – es hat also eher den Charakter einer Klassenfahrt als den einer Konferenz. Dazu trägt natürlich auch die treue Fangemeinde bei.

Thematisch orientiert sich das Beachcamp oft an den Herausforderungen, die das digitale Arbeiten auf dem Land mit sich bringt: Es kommen hier viele Freiberufler*innen zusammen, die „irgendwas mit digital“ machen und von guter Infrastruktur abhängig sind. Besonders inspirierend fand ich dieses Mal Christian Wieles Session zu KI und Anne Hansens Austausch dazu, was Freiheit für uns bedeutet. Nebenbei nahm ich auch gleich die Inspiration und die letzten guten Tipps mit, um dieses Blog endlich live zu schalten – im Sinne der Freiheit! In meiner eigenen Session zum Thema Wissenskommunikation (Wie können Wissenschaftler*innen bzw. „die Wissenschaft“ sich der allgemeinen Öffentlichkeit besser verständlich machen? usw.) bekam ich interessante Impulse von Menschen, die der Wissenschaft nicht so nahestehen wie ich, und dies ist eine weitere Fragestellung, die ich in Zukunft genauer beackern möchte.

Die familiäre Gemeinschaft beim Beachcamp weiß ich einerseits sehr zu schätzen; auf der anderen Seite kommt es bei so viel Nähe auch leichter zu Spannungen und Überreaktionen. Manchmal findet man allerdings plötzlich über Themen wieder zueinander, von denen man es gar nicht erwartet hätte. Insofern lautet mein Fazit auch: Was wir von Barcamps lernen können, ist, offen aufeinander zuzugehen. Man weiß nie, was man dadurch gewinnt.

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Salzwiesen in St. Peter-Ording, blauer Himmel, Wolken

Monatsnotiz September 2019

Das Format der Monatsnotiz ist mal wieder etwas, das ich zuerst bei Markus Deimann und Christian Friedrich gesehen habe, welche die Inspiration dazu, glaube ich, wiederum irgendwo im Netz fanden. Ich finde das Format zu schön, um es nicht schamlos zu klauen. Ich hoffe, dass es mich einerseits dazu bringt, regelmäßig hier Beiträge zu verfassen und mir andererseits hilft, meine beruflichen und semi-beruflichen Erfahrungen systematisch ein wenig zu reflektieren.

Rückblick

Der September war ein barcamplastiger Monat für mich: Am 6.9. besuchte ich das stARTcamp meets HOOU in Hamburg inkl. UnPodcast am Vorabend, und eine Woche später habe ich es endlich einmal wieder zum Beachcamp SPO geschafft. Am Rückblick dazu schreibe ich gerade noch.

Um an den Barcamps teilnehmen zu können, habe ich mir jeweils Urlaub genommen. Möglicherweise wäre zumindest das stARTcamp sogar als Dienstreise durchgegangen – ich habe es ehrlich gesagt aber gar nicht versucht. Auch wenn die Barcamps (trotz Nordsee) für mich kein echter Urlaub waren und meine Arbeit sicherlich befruchten, wollte ich dabei die Freiheit haben, in Sessions zu gehen, die mich eher persönlich interessieren. Etwas schizophren ist es vielleicht dennoch, dass ich meine Uniform quasi nie ablege und die Diskussionen und Vorträge doch auch immer aus der Perspektive einer Hochschulmitarbeiterin verfolge. Das liegt aber wohl auch daran, dass ich meinen Job tatsächlich gerne mache und kein großes Bedürfnis habe, eine strenge Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben zu ziehen. Vielleicht kommt das irgendwann noch, wenn der Burnout mich einholt. 

In meiner „echten“ Arbeit drehte sich alles um ein Konzept für die hochschulweite Umsetzung von E-Klausuren, das ich Ende letzter Woche von meiner Seite fertiggestellt habe. Es ist ein bisschen schade, dass ich nun wieder mit anderen Dingen beschäftigt sein werde und das Konzept nicht selbst weiter durch die Gremien begleiten und umsetzen kann. Andererseits freue ich mich sehr auf das Projekt, in dem ich nun arbeiten werde.

Ausblick

Das bringt mich zum Ausblick: Der Oktober beginnt mit der ersten Präsenzwoche meines berufsbegleitenden Studiums an der Universität Hamburg. Ich bin natürlich sehr gespannt und hoffe, dass mich das Pensum nicht gleich umhauen wird. Denn wenn ich wieder in Bielefeld bin, wartet der Kick-off für das Projekt openaccess.nrw auf mich. 

Abgesehen davon werde ich Ende des Monats umziehen und zuvor noch die HFDCon in meiner Heimatstadt Bonn besuchen – auch hier werden sich Berufs- und Privatleben wohl wieder eng aneinanderkuscheln.

Denkstoff

Ich möchte das Format noch ergänzen um die Kategorie „Denkstoff“: Das sollen Themen sein, die mich gerade beschäftigen und über die ich viel nachdenke – vielleicht hilft mir das irgendwann dabei, mehr zu machen und weniger zu denken.

Natürlich beschäftigt mich dieses Blog, nachdem ich es nun endlich live geschaltet habe (und wenn es nur die Frage ist, wie lange ich es durchhalte, „das Blog“ zu schreiben, weil ich es aufgrund der Wortherkunft korrekter finde). Worüber und in welcher Form will ich hier schreiben? Nur über „Berufliches“? Wo verläuft überhaupt die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem, wenn ich im Urlaub zu Barcamps fahre? Und wer will das überhaupt lesen? Soll das irgendwohin führen, oder erfüllt es einen Zweck in sich? In diesem Sinne ist dieses Blog auch ein Selbstfindungsprojekt. Mal sehen, wohin es mich trägt.

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Never miss the social events

Ein Rückblick auf die Summer School 2019 des Hochschulforums Digitalisierung

Anleger am Crossinsee in Berlin, Schild mit der Aufschrift "Das Schmöckwitz"

An einem schwül-heißen Montag Ende Juli treffen am Rande Berlins – Brandenburg ist nur einen buchstäblichen Steinwurf über den See entfernt – nach und nach Angehörige von Hochschulen aus nahezu allen Teilen Deutschlands ein. Nach der etwas beschwerlichen Anreise, zu der für manche*n ein Sprint zur Bushaltestelle gehörte, stellt die Akademie Schmöckwitz eine regelrechte Oase dar – oder zumindest einen Ort mit einer wahrlich heiß ersehnten Dusche.

Erfrischt und vom Mittagsbuffet gestärkt finden sich die Teilnehmenden zur Eröffnung der Veranstaltung ein. Bereits die ersten Folien und Begrüßungsworte von Moderator Christian Friedrich charakterisieren den Ton für die folgenden knapp drei Tage: professionell und dennoch entspannt-vertraut. Auch die Kürze der Grußworte von Daniela Delvos und Martin Rademacher macht klar: Hier wird es nicht darum gehen, passiv Vorträge aufzunehmen, sondern um uns Teilnehmende und darum, uns einen „safe space“ zu geben, in dem wir uns kennenlernen und austauschen können – und wenn es gut läuft, gemeinsam mit Ideen herumspielen und sie weiterentwickeln können.

Entsprechend viel Zeit lässt das Programm dafür, einander kennenzulernen. Schon bei den Vorbereitungstreffen per Videokonferenz einigten sich alle auf das „Workshop-Du“ (von dem nach der Summer School wohl niemand zu einem „Arbeitsalltags-Sie“ zurück wechselte), und nun helfen verschiedene Kennenlern-Formate über weitere Berührungsängste hinweg. An den Wänden des Seminarraums hängen zur Orientierung die Steckbriefe der Teilnehmenden, mit denen wir uns bereits im Vorfeld vertraut machen konnten, sodass sich nun diejenigen mit ähnlichen Interessen und Aufgaben schnell finden können.

Ringelpiez ohne Anfassen

Kein*e einzige*r der Teilnehmenden macht zu irgendeinem Zeitpunkt der Kennenlern-Spiele, die mit einer Prise Spott auch „Ringelpiez ohne Anfassen“ genannt werden könnten, den Anschein, dass ihr oder ihm das Ganze peinlich oder unangenehm ist. Alle sind ehrlich getrieben von dem Willen, für die anderen offen zu sein und aufeinander zuzugehen. In diesem Geiste beginnt nach dem Kennenlernen das Format, das das Herzstück der Summer School bildet: die kollegiale Beratung.

Die Viererteams, die in den nächsten Tagen gut vier Stunden damit verbringen werden, sich gegenseitig in verschiedenen Rollenkonstellationen zu Fragestellungen aus ihrem Arbeitsalltag zu beraten, werden tatsächlich ausgelost. Unter anderen Umständen hätte diese Tatsache bei mir, wie wahrscheinlich auch bei anderen Teilnehmenden, milde Panik ausgelöst. In dieser Atmosphäre bin ich mir jedoch sicher, dass ich in einem Team mit tollen Menschen landen werde, egal, wer mir zugelost wird. Und es war wirklich ein tolles Team.

Mehr Service, bitte

Wie wohl die meisten Teams verbrachten wir den Großteil unserer Beratungszeit draußen am See. Die Örtlichkeit bot insgesamt zahlreiche unterschiedliche Sitzmöglichkeiten, um den Austausch in allen möglichen Gruppengrößen zu ermöglichen, ohne sich in die Quere zu kommen. Allerdings ließ die Technik, besonders im großen Seminarraum, erstaunlich viel zu wünschen übrig. Auch das Wort Servicementalität hätte so manche*r Mitarbeiter*in größer schreiben können. 

Mehr Barcamp, bitte

In einem Programm, das von ungewöhnlichen Formaten geprägt war, wirkten die Workshops fast konservativ, obwohl auch sie größtenteils viel Wert auf das Mitmachen legten. Das einzige Frontalformat, die Lightning Talks, setzten alle Vortragenden so inspiriert und kreativ um, das es keinen Moment zur Berieselung geriet. Als Barcamp-Liebhaberin freute es mich besonders, dass auch dieses Format gut ankam und in guter Barcamp-Tradition mehr Sessions entstanden, als man besuchen konnte. Für eine zukünftige Summer School könnte ich persönlich womöglich zugunsten von mehr Zeit für Barcamp-Sessions auf traditionelle Workshops verzichten. In einem intensiven und stark durchgetakteten Programm habe ich mich zudem gefragt, ob wir unbedingt auch beim Mittagessen noch Thementische organisieren mussten. Gewiss hätten wir auch ohne Vorgabe die passenden Menschen gefunden, um mit ihnen über die Themen zu reden, die uns am Herzen liegen. 

Ich weiß nicht, woran es lag – ob das Kernteam (Markus Deimann, Karoline von Köckritz und Malte Persike) ein geradezu unheimliches Händchen darin hatte, Teilnehmende auszuwählen, die miteinander harmonieren würden; oder ob es der unaufgeregte, lockere und amüsante Moderationsstil von Christian Friedrich war; oder die unaufdringliche und dennoch ständig hilfsbereite Präsenz des Organisationsteams um Daniela Delvos. Wahrscheinlich trugen alle diese Faktoren dazu bei, dass eine Atmosphäre der Offenheit und des Austauschs unter Gleichgesinnten entstand, wie ich sie so noch nie erlebt hatte.

Überzeugungstäter*innen

Ich kann mir jedoch schwer vorstellen, dass 30 Manager*innen, die sich vorher größtenteils noch nie gesehen haben, in einer derart entspannten, offenen und wohlwollenden Art und Weise aufeinander zugegangen und miteinander umgegangen wären. Nicht etwa, weil Manager*innen schlechtere Menschen wären, sondern weil es wenig Berufsgruppen gibt, in denen bei ähnlichen Arbeitsbedingungen so viele Menschen aus Überzeugung arbeiten. Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen auf befristeten Stellen in Unterstützungseinheiten und Didaktikzentren verbringen bestimmt nicht deshalb so viel Lebenszeit damit, ihre nächste befristete Stelle zu finden, weil sie Angst haben, sich auf eine Stadt und eine Position festzulegen. Es ist etwas, das sie in Kauf nehmen, weil sie ihre Arbeit gerne tun und weil sie hoffen, dass sie mit ihr die Zukunft junger Menschen ein klein wenig mitgestalten können. Und auch wenn Zeitersparnis eines der schlagkräftigen Verkaufsargumente für viele E‑Learning-Formate ist – die Lehrenden, die sich ernsthaft digitalen Lehr-/Lernformaten widmen, investieren oft viel Freizeit: ganz einfach, weil sie ihre Lehre verbessern wollen. 

„Never miss the social events“, lernte ich während des Studiums von meinem Skandinavistik-Professor, und bedauere es seitdem, wenn Konferenzen zu wenig Zeit für den kollegialen Austausch zwischen Seminaren und Vorträgen bieten. Das Format der Summer School dreht den üblichen Zeitplan um und ist letzten Endes so etwas wie eine einzige organisierte kollegiale Kaffeepause. Ich empfinde es als Privileg, Teil davon gewesen zu sein und hoffe, dass noch viele Lehrende und Mitarbeiter*innen in Unterstützungseinheiten dieses Privileg genießen dürfen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog des Hochschulforums Digitalisierung.
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